Lebenswichtige Schneise muß bleiben

Westdeutsche Zeitung Samstag, 28. Januar 1984
Kreis Mettmann

WZ-Gespräch mit Velberts Bürgermeister Heinz Schemken

Ausschuß des Bezirksplanungsrates informierte sich an der „Kleinen Höhe”

Von unserem Redaktionsmitglied Lothar Jungmann

Kreis Mettmann. „Dieses barbarische Vorhaben muß verhindert werden, so umschrieb Velberts Bürgermeister Heinz Schemken die Stimmung der Ausschußmitglieder des Bezirksplanungsrates, die im Rahmen einer Bereisung auch der „Kleinen Höhe” einen Besuch abstatteten. Wie die WZ bereits ausführlich berichtete, hat die Stadt Wuppertal vor, bis an die Nevigeser Ortsgrenze heran ein neues Industriegebiet auszuweisen. Der erste Bauabschnitt soll dabei 39 Hektar groß sein.

Bis zum 13. Februar haben die Wuppertaler zum zweiten Mal die Möglichkeit, ihre Bedenken und Anregungen vorzubringen. Die Bürgerinitiative „Kleine Höhe“ hat deshalb alle Betroffenen aufgefordert, sich schriftlich zu äußern, damit das Vorhaben scheitert. Velberts Bürger können sich daran nicht beteiligen, ihnen bleibt nur zu hoffen, daß ihre Volksvertreter weiterhin so vehement gegen dieses Projekt eintreten wie bisher. Rolf Colsmann (FDP) und der CDU-Bundestagsabgeordnete Heinz Schemken haben jedenfalls ihren Kampf dagegen noch nicht aufgegeben.

„Die Fachleute der Bezirksregierung und einige Fachleute als Berater sollten sich an Ort und Stelle überzeugen, daß mit dem Wuppertaler Vorhaben ein zusammenhängender regionaler Grüngürtel völlig zerstört wird,“ meinte Schemken und wies darauf hin, daß das Gelände landwirtschaflich äußerst wertvoll ist. Landwirte, die dazu befragt worden waren, hatten dies eindeutig bestätigt. Außerdem würde mit einer Industrieansiedlung eine wichtige Kaltluftschneise zerstört. Diese Schneisen haben die Funktion, die verbrauchte Luft Wieder zu erneuern. Betroffen von weniger „guter” Luft wären in diesem Fall nicht nur Velberter oder Wülfrather, sondern auch Wuppertaler, die in dem Bereich Katernberg wohnen. „Die Schneisen sind lebenswichtig und dürfen nicht unterbrochen werden,“ schätzte Velberts Bürgermeister die Bedrohung durch eine Industrieansiedlung ein, wobei die Unterbrechung sich langfristig auf der einen Seite bis ins Sauerland und auf der anderen Seite durch das Neandertal bis über den Rhein hinaus auswirken würde. Wenn auch vor Ort keine Beschlüsse gefaßt werden konnten, versprachen Schemken und Colsmann gegenüber der WZ, sich auch weiterhin energisch für die Erhaltung dieses ökologisch lebenswichtigen Gebietes einzusetzen. „Der Wuppertaler CDU kann ich in diesem Zusammenhang nur raten, sich auf die Seite der Bürger zu schlagen und dort keine Industrie zuzulassen,’ richtete Schemken ein klares Wort an seine Parteifreunde in der bergischen Metropole. Vertreten war Wuppertal durch Winfried Klein (CDU) und Michael Hetzelt (SPD), sowie Dr. Horst Jordan, Hauptgeschäftsführer der bergischen Industrie- und Handelskammer, als Berater.

In den nächsten Tagen sollen innerhalb der CDU-Fraktion des Bezirksplanungsrates weitere Gespräche geführt werden, um zum gewünschten Ziel zu kommen.

Auf dem schraffiert gekennzeichneten Bereich will die Stadt Wuppertal Gelände für erheblich belästigende Betriebe ausweisen. Foto: Wolfgang Schoene

Keine Industrie zur „Kleinen Höhe”

Westdeutsche Zeitung Samstag. 17. September 1983
Velbert-Neviges

Schemken schrieb an Regierungspräsidenten

Velbert-Neviges. Die Entscheidungen zugunsten der Stadt Wuppertal im Gebietesentwicklungsplan – es geht um das Gebiet Kleine Höhe – wurden in Velbert mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, weil sie genau das Gegenteil von dem beinhalten, was auf einigen Plänen zu sehen ist. Man will aus Grünanlagen Industriegebiet machen. Bürgermeister Heinz Schemken, Mitglied des Bundestages, informierte die WZ über sein Schreiben an den Regierungspräsidenten:

„Bei den Beratungen um den Gebietsentwicklungsplan ; habe ich wiederholt auf die | Problematik des Gewerbegebietes „Kleine Höhe“, nördliches Gebiet Wuppertal, hingeWiesen. Nach den nun vorliegenden Vorschlägen zum Ausgleich der Meinungen innerhalb des Regierungsbezirks zwischen den GebietskörperSchaften ist nach wie vor das Gebiet „Kleine Höhe“ als Ansiedlungsgebiet für Industrie mit der Bezeichnung Gewerbe- und Industrieansiedlungs- | bereich eingeordnet. Zwar ist zwischen den angrenzenden Bereichen; dem zukünftigen S-Bahn-Haltepunkt Siepen und der Elberfelder Straße, ein Abstandsstreifen eingeplant, vom zukünftigen S-Bahn-Haltepunkt bis zur Siebeneicker Straße, entlang der Eisenbahn und der Straße „Am Rosenhügel“, grenzt die Industrieansiedlungsfläche jedoch teilweise an die südliche Wohnbebauung von Velbert. – Dies ist sicherlich nicht im Sinne des Ausgleichs der Interessen, da gerade im südlichen Bereich „Siepen“ des Stadtgebietes Velbert-Neviges im Verstärkten Maße Wohnbebauung angesiedelt wurde und noch wird. Diese Konzeption ist im Sinne der Landesplanung mit Ihrem Hause abge

Stimmt. –

Auch die weiteren Bereiche „Auf dem Pöthen, Hügelstraße (südlicher Hang)“ sind von einer möglichen Industrieansiedlung betroffen. Hinzu kommt, daß in der ursprünglichen Vorgabe der Gebietsentwicklungsplanung nach dem Vorentwurf Ihres Hauses vom August 1979 (Funktionsdarstellung Wohnen/Arbeiten und Flächenraster Besiedlung) die Freifläche Zwischen Obensiebeneick (nördlich Wuppertal) und Siepen (Velbert-Neviges) als Landschaftsfläche (Luftaustauschschneise) s geplant Wa.

Da im übrigen innerhalb des Gebietsentwicklungsplanes die Stadt Velbert in erheblichem Maße beschnitten wurde, habe ich für die Ausweisung dieser Fläche, so wie sie jetzt im Gebietsentwicklungsplan vorgesehen ist, kein Verständnis. Denn sollte in Ihrem Hause mit gleichem Maßstab den Anregungen und Bedenken gefolgt werden, wie das Zum Nachteil der Stadt Velbert geschehen ist, wäre hier zumindest die zusammenhängende Landschaft zu schützen. Ich bitte, dieses bei den jetzt. folgenden Anhörungen mit zu berücksichtigen und trage Ihnen noch einmal die Bedenken großer Teile der Bürgerschaft VO?.

„Kleine Höhe“ wurde vertagt

WZ Donnerstag, 2. Juni 1983
Wuppertaler Nachrichten

Gutachten liegt vor/Planungsausschuß noch nicht informiert

Bevor der Planungsausschuß gestern in seine Tagesordnung, die immerhin die Erörterung von 31 Bauleitplänen vorsah, eintrat, wurde Grundsätzliches debattiert: Die Stadtverordnete Ingrid Pfeiffer (FDP) machte ihrem Ärger Luft, daß von den benötigten Unterlagen ein erheblicher Teil – „und dann auch noch der schwierigere“ – erst zwei Tage vor der Sitzung den Ausschußmitgliedern zugegangen sei. Nicht nur die Vorbereitung zur Sitzung, zum Beispiel durch Ortsbesichtigungen, habe darunter zu leiden. Auch die Eingaben der Bürger unter „Anregungen und Bedenken“ hätten ihre Beachtung verdient. Die Liberalen als Zweier-Fraktion haben es in dieser Hinsicht besonders schwer. So wurden mit Zustimmung aller Parteien sämtliche nachgereichten Drucksachen – bis auf eine – auf die nächste Sitzung des Planungsausschusses am 29. Juni vertagt. Selbst zurückgezogen hatte die Verwaltung eine erneute Beratung über das geplante Industriegebiet Kleine Höhe. Dazu hieß es, das ökologische Gutachten läge der Verwaltung zwar mittlerweile vor, aber habe noch nicht für die Sitzung ausgewertet werden können. fh

Keine Machenschaften

WZ Samstag, 2. Oktober 1982
Wuppertaler Leserbriefe

Aus Briefen an die Lokalredaktion

Unter der Überschrift „Initiative „Kleine Höhe“ trug ihre Bedenken vor“ berichtete die WZ über ein Bürgergespräch zum Bebauungsplan 750 – Kleine Höhe, das die CDU veranstaltete. Die in dem Artikel wiedergegebenen Äußerungen des CDU-Vorsitzenden Dr. Lichtenberg, der von „Machenschaften innerhalb der Verwaltung“ und von „hier sollen Sachkundige Kritiker mundtot gemacht werden“ gesprochen haben soll, weist die Verwaltung in aller Form zurück.

Die Kritik von Herrn Dr. Lichtenberg soll sich darauf bezogen haben, daß ein der CDU angehörender Bezirksvertreter von der Verwaltung für befangen gehalten wird.

Dazu ist folgendes festzustellen: Nach der Gemeindeordnung ist ein Mitglied der Bezirksvertretung befangen, wenn es z.B. im Geltungsbereich oder in unmittelbarer Nähe seines Bebauungsplangebietes, über das die Bezirksvertretung berät, über Grundbesitz verfügt, der durch die geplante Bebauung Nachteile erleiden oder Vorteile erhalten kann.

Diese Rechtsauffassung, von der Verwaltung sowohl dem Bezirksvorsteher und dem Betroffenen mitgeteilt als auch in einer Sitzung der Bezirksvertretung erläutert, ist in diesem konkreten Fall Von dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf ausdrücklich bestätigt worden.

Presse- und Informationsamt der Stadt Wuppertal

Sachliche Diskussion mit Vertretern der CDU

WZ Montag, 27. September 1982
Wuppertaler Nachrichten/Feuilleton

Initiative „Kleine Höhe“ trug ihre Bedenken vor

Sachliche Diskussion mit Vertretern der CDU

Zwischenbilanz zum Thema „Kleine Höhe’, wo an der Grenze zu Neviges ein Industriegebiet entstehen Soll, zog die Wuppertaler CDU bei einem Bürgergespräch in der Gaststätte Sondermann. Die Planung der Wuppertaler Verwaltung wird von den betroffenen Bürgern weitgehend abgelehnt. Doch Polemik kam an diesem Abend nicht auf, sodaß Fraktionsvorsitzender Hermann Josef Richter die „sachliche Argumentation” der Bürgerinitiative loben konnte. Außer ihm stellten sich Bürgermeister Kurt Drees, Kreisvorsitzender Dr. Hans-Jürgen Lichtenberg sowie Planungsfachleute der Partei und Mitglieder der Bezirksvertretung der Diskussion.

Auf Lichtenbergs geäußerte Verwunderung, daß es zu Zeiten, als die Kleine Höhe noch zu Neviges gehörte, keine Proteste gegen die Planung gegeben habe, hatten die Bürger eine klare Antwort: „Die Menschen, die heute protestieren, Wohnten damals noch nicht dort.“ Und: „Wir wurden mit dem Angebot „Wohnen im Grünen‘ angelockt.“

Und das sind die Bedenken der Bürgerinitiative: die Anderung der Bezeichnung von Gewerbe- zu Industriegebiet, Andienung und Entwässerung seien noch nicht geklärt – und schließlich die offen geäußerte Befürchtung, an dem generellen Konzept sei sowieso nichts mehr zu ändern. Außerdem herrscht Skepsis über die Eile, mit der die Planung seit dem Erwerb des Grundstückes durch die Stadt Anfang 1981 vorangetrieben Wird. Wenn dann auch noch die Frage aufgeworfen wird, Warum die Stadt 12 Millionen Mark zahlte, obwohl ein Rückkaufrecht zum Gestehungspreis von drei Millionen in den Verträgen vereinbart sei, dann ist es kein Wunder, daß die Anlieger der Kleinen Höhe feststellen: „Das Zutrauen zu der Wuppertaler Verwaltung ist bei uns vollkommen geschwunden.‘ „Wir werden immer in einem Interessenkonflikt sein,“ meinte Richter mit Hinblick auf die Problematik der Gewerbeflächenausweisung in Wuppertal. Die CDU-Spitzen gaben den Bürger jedoch das Versprechen, daß alle ihre Bedenken im Planungsverfahren berücksichtigt werden – wie es ja auch vorgeschrieben ist. „Machenschaften innerhalb der Verwaltung“ vermutet Dr. Lichtenberg im Zusammenhang mit der Befangenheitserklärung eines Mitgliedes der Bezirksvertretung durch die Verwaltung. „Hier sollen sachkundige Kritiker mundtot gemacht werden.
Frank Hänschen

CDU läd ins Haus Sondermann

Westdeutsche Zeitung
Donnerstag, 23. September 1982

Kleine Höhe

Velbert-Neviges (v). Die CDU Wuppertal lädt ein zum Gespräch über das Thema Industrie Kleine Höhe am Freitag, dem 24. September, 1945 Uhr im Haus Sondermann.

Stadtbezirksverband a DV

UELLENDAHL – DOENBERG – sozial und frei

Herzliche Einladung !

Zu einem BÜRGERGESPRÄCH mit der “ BÜRGERINITIATIVE KLEINE HOHE “

Am Freitag dem 24. September 1982, 1945 Uhr, in der Gaststätte Sondermann, Obersiebeneickerstr., Velbert-Neviges, laden wir alle Interessenten ein.

Es diskutieren mit Ihnen:

Dr. Hans-Jürgen Lichtenberg MDL Kreisvorsitzender der CDU Wuppertal
Kurt Drees Bürgermeister der Stadt Wuppertal

Hermann-Josef Richter –Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Wuppertal sowie Bau- und Planungsfachleute der Wuppertaler CDU-Fraktion und Mitglieder der Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Ihre CDU – UELLENDAHL-DOENBERG

Rolf Heer -Vorsitzender

 

 

Beschlussvorschlag (Beschlussvorlage) 1982

Zur Sitzung des Hauptausschusses Zur Sitzung des Rates der Stadt

Bauleitplan verfahren Nr. 750 – Kleine Höhe – (Bebauungsplan) – Behandlung der Bedenken und Anregungen, erneuter Offerlegungsbeschluss –

Die vorgebrachten Bedenken und Anregungen zum Bebauungsplan Nr. 750 für den Geltungsbereich nordöstlich der Nevigeser Straße zwischen Hofschaft. Am Lindgen und Herrnasbruch in einer Tiefe von ca. 500 m bis zu der Hofschaft Jungmannshof und bis zur Freilichtbühne – wie in nebenstehender Skizze näher kenntlich gemacht – werden entsprechend den Vorschlägen der Verwaltung behandelt .

Der aufgrund der Bedenken und Anregungen in Grün geänderte Bebauungsplanentwurf wird erneut einschl. Begründung gem. S 2 a Abs. 6 BBauG öffentlich ausgelegt.

Begründung

Aufgrund der generell gegen die Festsetzung von Industriegebieten vorgebrachten Bedenken und Anregungen ist die Umweltverträglichkeit des Vorhabens durch Einholung eines ökologischer Gutachtens geprüft worden . Dabei ist festgestellt worden, daß durch eine Ansiedlung von Betrieben in diesem Bereich und in dieser Größen Ordnung zwar in die Landschaft eingegriffen wird , dieser Eingriff kann jedoch durch Ausgleichsmaßnahmen in Grenzen gehalten werden. Es soll deshalb an der Festsetzung Industriegebiet festgehalten werden . Gemäß dem Ergebnis des ökologischen Gutachtens wird das Erschließungssystem innerhalb des Gebietes geändert. Hierdurch entstehen jedoch keine größeren Straßenflächen . Die Festsetzung von Geländehöhen soll gestrichen werden, um eine flexiblere Ausnutzung und eine bessere Anpassung an die vorhandene Topographie zu ermöglichen . Durch entsprechende Regelungen soll erreicht werden, daß ein möglichst hoher Niederschlagwasseranteil innerhalb des Gebietes wieder dem Grundwasser Zugeführt werden Kann . Durch die vorgesehenen Schutzpflanzungen und die Erweiterung der vorgesehenen Grünflächen soll das Gebiet weiter aufgelockert werden. Auf dem höher gelegener Teil soll durch Festsetzung einer Traufhöhe die Gebäudehöhe eingeschränkt werden . Der Gliederungskatalog für die Einschränkung des Industriegebietes, der im ökologischen Gutachten vorgeschlagen wird , soll übernommen werden . Die Struktur der dort angegebenen Betriebe entspricht den hier in Wuppertal ansässigen und möglicherweise zu verlagernden Betrieben.

Die Aufstellung eines landschaftspflegerischen Begleitplanes erübrigt sich, da die im Bebauungsplanentwurf vorgesehenen zu begrünenden Schutzflächen als öffentliche Grünflächen festgesetzt werden sollen und somit seitens der Stadt Wuppertal auszubauen sind. Die Ausführungsplanung wird vom zuständigen Fachamt vorgenommen. Es wird vorgeschlagen, die Gestaltung der Freiflächen auf den einzelnen Baugrundstücken durch eine Gestaltungssatzung zu regeln. Einen entsprechenden Satzungsentwurf wird die Verwaltung zusammen mit dem Vorschlag, den Bebauungsplanentwurf Nr. 750 nach erneuter Offenlegung als Satzung zu beschließen, vorlegen.

Anlagen

  1. Vorgebrachte Bedenken und Anregungen
  2. Vorschläge der Verwaltung zur Behandlung der Bedenken und Anregungen
  3. Ökologisches Gutachten
  4. Begründung gem. S 2 a. Abs. 6 BBauG
  5. Übersichtsplan

 

Plan Kleine Höhe wird offengelegt

WZ Stadtausgabe Donnerstag. 10. Juni 1982
Velbert-Neviges

Plan Kleine Höhe wird offengelegt

Bürgerinitiative sprach mit Stadtvertretern

Von unserem Redaktionsmitglied Virginia Steinmetz

Velbert-Neviges. Die Bürgerinitiative Kleine Höhe nimmt ihre Arbeit sehr ernst und bemüht sich auch weiterhin intensiv – im Stillen – um Gespräche mit den kompetenten Stellen, damit nicht eines Tages das Industriegebiet Kleine Höhe von Wuppertal doch direkt an den Rosenhügel angrenzt und die dortigen Bewohner im Mief untergehen.

Jetzt fand ein Gespräch Statt mit Dr. Geißler dem Wirtschaftsdezernenten der Stadt Wuppertal und dem Leiter des Planungsamtes Stölting. Die anstehenden Fragen wurden Sehr Sachlich und Offen diskutiert von beiden Seiten und man machte keinen Hehl aus seinen Standpunkten, die keineswegs übereinstimmten. Man weiß, daß Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden müssen, und Wuppertal Industrie aussiedeln und erweitern muß, man weiß aber auch, daß es nicht mehr gutzumachen ist, wenn man die Natur durch Industrie zerstört. Und zudem wollen die Bürger, die jetzt noch im Grünen wohnen, nicht eines Tages durch Industrie „zugeschüttet” werden. Wichtig, so die Initiative ist, daß sich die betroffenen Bürger die Pläne der Stadt Wuppertal ansehen. Der Offenlegungsbeschluß ist gefaßt, und man kann im Rathaus Elberfeld zwischen dem 29. Juni und 29. Juli Anregungen und Bedenken vorbringen. Dies ist auch möglich in der Bezirksverwaltungsstelle Kohlstraße. Die Bedenken und Anregungen können mündlich zu Protokoll oder schriftlich eingereicht werden. Die Bürgerinitiative appelliert an alle Bürger, die sich betroffen fühlen, diesen Termin nicht zu verpassen.

IFU-Umweltgutachten aus dem Jahre 1982

INSTITUT FÜR UMWELTPLANUNG

MAKRO-UND STRUKTURUNTERSUCHUNGEN PROF. KARL-HEINZ ENGEL

PRIESSNITZSTRASSE 7
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GUTACHTLICHE STELLUNGNAHME
FÜR DAS VORGESEHENE INDUSTRIEGEBIET „KLEINE HÖHE“
BEBAUUNGSPLAN NR. 750

Die Bürgerinitiative „Kleine Höhe“ vertreten durch Herrn Kurt Lawrenz, Schevenhofer Weg 70, 5600 Wuppertal 1 , hat mich gebeten, eine ökologische Stellungnahme für das vorgesehene Industriegebiet „Kleine Höhe“ im Raum Wuppertal und Vebert-Neviges abzugeben.

1. Wert des Gebietes aus landschaftlicher und ökologischer Sicht
Das als Industriegebiet vorgesehene Gebiet „Kleine Hohe“ ist landschaftlich sehr reizvoll und weist zahlreiche noch intakte Biotope auf. Dieses Gebiet bildet zwischen den Erholungsgebieten Neander- und Düsseltal und dem Bergisch – Märkischen Erholungsgebiet eine landschaftliche und ökologische Brücke. Diese landschaftliche und ökologische Brückenfunktion ist bereits in den letzten Jahren durch die entstandenen Neubaugebiete, sowohl von Neviges als auch von Wuppertal, durch Starke Einengungen beeinträchtigt worden. Die Vorhandene Brückenfunktion ist aber der Zeit noch erhalten. Die vorgesehene Realisierung der an stehenden Industrieplanung im Planungsgebiet „Kleine Höhe“ würde nach meiner Auffassung diese Brückenfunktion nicht mehr gewährleisten.

1.2. Veränderung des bestehenden Landschaftsbildes
Durch die besondere Lage des Gebietes und die Wegen der topographischen Verhältnisse erforderlichen Eingriffe in das Landschaftsgefüge würde das gesamte Landschaftsbild sehr beeinträchtigen und die vorhandene landschaftliche Infrastruktur würde bei der Realisierung des Industriegebietes nachteilig beeinflußt.

1.3. Zu erwartende Immissionsbelastung durch das Industriegebiet
Die Immissionen aus dem Industriegebiet würden in diesem Gesamtgebiet bei vorherrschen den Süd– Westlichen Winden nicht nur die angrenzende Wohnbebauung in Wuppertal und in Velbert-Neviges, als auch das Bergisch – Märkische Erholungsgebiet belasten.

2. Landschaftsplan Bergisch-Märkisches Erholungsgebiet
Für den Großraum Hattingen, Wuppertal und Sprockhövel , sowie die Ortsteile der Stadt Velbert, Langenberg und Neviges wurde bereits Seit dem Jahre 1972 ein Landschaftsplan erarbeitet, der dieses reizvolle und vielgestaltige Landschaftsgebiet besonders darstellt.

2.1. Das Gebiet Wuppertal und Velbert-Neviges wird in den nächsten Jahren durch die Errichtung zahlreicher Neubauten und durch den Ausbau des Verkehrsnetzes eine Veränderung erfahren. Für die in diesem Raum Wohnenden und arbeitenden Menschen birgt diese Neugestaltung eine Gefahr der Klima – Verschlechterung in Sich , wenn außer den wirtschaftlichen, Verwaltungsmäßigen, Siedlungs- und verkehrsmäßigen Gesichtspunkten nicht auch die natürlichen Gegebenheiten, insbesondere die Orographie und das Klima in diesen Gebieten bei jeder Planung Beachtung finden. Das beurteilte Gebiet ist bisher als Freifläche anzusehen, die jedoch diesem Zweck nur dann dient, wenn ihr klimatischer Erholungswert nicht durch Wärmestauungen, Kaltluftansammlungen , Nebelbildung oder Verunreinigte Luft herabgesetzt wird.

3. Landschaft und Allgemeinklima im Großraum Köln und Bergisches Land

Das Untersuchungsgebiet „Kleine Höhe“ befindet sich im Raum Wuppertal, Velbert-Neviges und ist ein Teil des Bergisch-Märkischen Hügellandes, abseits der Köln-Bonner Bucht bzw. der Niederrheinischen Tieflandbucht. Das Gebiet gliedert sich in folgende Naturräumliche Untereinheiten:
a ) Hardenberger Hügelland (zwischen Hardenberger Bach und Deilbach)
b) Elfringhauser Hügelland (Zwischen Deilbach und Felderbach
c) Märkisches Eggenland (Ostteil des Untersuchungsraumes)
d) Haßlinghauser Höhenrücken (Südliche Begrenzung des Untersuchungsraumes , Wasserscheide zwischen 
Ruhr und Wupper)

3.1. Der Untersuchungsraum befindet sich am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges. Der Untergrund besteht aus devonischen und karbonischen Gesteinen und hat den häufigen Wechsel von Sandsteinen, Tonschiefern Konglomeraten und Kohlenflözen zur Folge.
Die Böden sind zum größten Teil Verwitterungsböden und es handelt sich vorwiegend um lehmig- steinige, kalkarme und bis auf die Talauen und Teile der Hochflächen wenig tiefgründige Böden.

3.2. Der Wasserhaushalt ist bestimmt durch hohe Niederschläge. Das Erholungsgebiet „Kleine Höhe“ hat ein dichtes Gewässernetz, großen Quellenreichtum und Wasser Speichermöglichkeiten im Untergrund.

3.3. Das Bergisch-Märkische Erholungsgebiet wird gekennzeichnet durch den maritimen Charakter seines Klimabereiches mit relativ milden Wintern und nicht zu heißen Sommerperioden.

3.4. Die Windverteilung im Erholungsgebiet „Kleine Höhe“ ist für die im Frühling ein setzende Zunahme der westlichen Winde typisch. Im Herbst erfolgt wieder ein Rückdrehen des Windes, so daß im Winter der Südwind am stärksten hervortritt. Diese thermische Begünstigung zeigt sich auch in dem zeitigen Frühlingseinfluß, im schnellen Pflanzenwachstum und in dem zeitigen Erntebeginn . Diese thermische Begünstigung , von der vor allem die Land- und Forstwirtschaft profitiert, hat aber auch negative Auswirkungen. So kann die Wärmebelastung für den Menschen im Bergisch – Märkischen Erholungsgebiet viel größer sein als im Nord-Westdeutschen Flachland oder in der Münsterländer Bucht.

4. Klimatisch bedingte Forderungen für das Gebiet „Kleine Höhe“
Bei der Planung des Gebietes „Kleine Höhe“ im Raum Wuppertal und Velbert-Neviges soll auf einfache Weise dargelegt werden, daß es notwendig ist, hinsichtlich

Durchlüftung
Wärmestauung
Schwüle
Luftstagnation
Reinhaltung der Luft usw.

ein besonderes, klimatisches und ein weniger bedenkliches Klima zu erhalten. Es ist wichtig, daß in diesem Gebiet auch an den Hängen die Gesamtplanung auf die vorhandenen spezifische Klimaeigenschaft abgestellt worden sollte, um eine Verschlechterung des von der Landschaft und der bisherigen Flächennutzung geprägten, für Mensch, Tier und Pflanzen wie auch für Gebäude und technische Einrichtungen, ungünstiges Klima zu vermeiden. Es ist daher notwendig, in Gebieten, die topographische Verhältnisse aufweisen wie das Planungsgebiet „Kleine Höhe“, daß jede Bauplanung von vornherein eine ökologische Prägung erhält.

Abschließende Bemerkungen:

Die mir vorgelegten Planungsunterlagen für das Gebiet „Kleine Höhe“ habe ich unter ökologischen Gesichtspunkten geprüft und ich bin zu folgender Auffassung gekommen:
Eine Industrialisierung des Gebietes „Kleine Höhe“ muß ich aus ökologischen Gründen ablehnen, da mit Sicherheit zu erwarten ist, daß die vorhandene Lebensqualität sich wesentlich verschlechtern wird und die von mir erwähnten Brückenfunkionen nicht mehr erhalten werden können. Für den Fall, daß überhaupt in dem Planungsgebiet „Kleine Höhe“ weitere Baumaßnahmen zur Durchführung kommen sollten, müßten die Planungen unter Berücksichtigung der am Standort Vorhandenen ökologischen Bedingungen durchgeführt werden, um die Forderung der Be- und Entlüftung dieses Gebietes bei der gegebenen 
Topographie zu gewährleisten.

I  F  U  FÜR UMWELPLANUNG

PROF. KARL-HEINZ ENGEL