Gründung der BI „Kleine Höhe“

56 Wuppertal 1, den 23. November 1981

An alle Einwohner von Obensiebeneick und Umgebung

Sehr geehrte Nachbarn ! Unter Zeitdruck gebe ich Ihnen folgende Informationen:

  1. Wie ich erst kürzlich erfahren habe, findet am Mittwoch dem 25. Nov. 81 um 18 Uhr im Planungsamt Kohlstr. 51 eine Sitzung der Bezirksvertretung Uellendahl/Katernberg statt. Punkt 2 der Tagesordnung so.) die Beschlußfassung über das Industriegebiet „Kleine Höhe“ sein. Ich habe den Vorsitzenden Schriftlich gebeten, die Beschlußfassung noch aufzuschieben, da von uns aus noch neue Argumente zu erwarten wären. Es Wird unserem Anliegen sehr dienlich sein, wenn möglichst Viele ZUhÖrer an dieser Sitzung teilnehmen Werden!
  2. Um unseren Argumenten bei der Bezirksvertretung mehr Nachdruck. Zu geben, hat heute Abend eine Zusammenkunft der Nachbarn stattgefunden, die auf meinem Fragebogen angekreuzt hatten, daß sie „aktiv“ mitarbeiten wollten. Wir haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet.
  3. Mein ursprüngliches Vorhaben, die Bürgerinitiative auf einer allgemeinen Versammlung zu gründen, mußte deshalb aufgegeben werden. Wir werden aber trotzdem in den nächsten Wochen eine Versammlung einberufen, um den Vorstand vorzustellen, und um das weitere Vorgehen zu beraten.
  4. In den nächsten Tagen lassen wir Ihnen weitere Informationen Zukommen.

Mit freundlichem Gruß

„Die waren entrüstet…“

WAZ Nr. 255 vom 31.10.1981

VIELE ALT-NEVIGESER verfolgten die Debatte.
Foto: Vogler

„Die Waren entrüstet…“

Neviges. „Die haben gar nicht gewußt, wo die Gemarkung Obensiebeneick/Kleine Höhe liegt. Die haben gedacht, das wäre irgendwo in Bayern.“

Dies berichtete uns eine der Zuhörerinnen, die zum Bezirksausschuß Neviges gekommen war, um die Diskussion über die Wuppertaler Industriepläne in diesem einstigen Nevigeser Gebiet mitzuerleben.

Mit „die“ waren die Verantwortlichen der Wuppertaler Bezirksverwaltung UellendahlKaternberg gemeint, die auch für das „geerbte“ Gebiet Obensiebeneick/Kleine Höhe zuständig sind. Die Anwohner Wehren sich gegen „emittierende Betriebe“, z. B. Industriebetriebe, die viel Lärm und Abgas verursachen.

Rektor Lawrenz, Leiter der Grundschule Ansembourgallee, der ebenfalls in diesem Neu-Wuppertaler Gebiet“ wohnt und zum Bezirksausschuß Neviges gekommen war, Schilderte uns seinen Eindruck von der Sitzung der Wuppertaler Bezirksverwaltung Uellendahl-Katernberg: „Die waren entrüstet, daß wir dagegen (gegen die Industriepläne) waren …“

In gut drei Jahren keine Industriegrundstücke mehr

WZ Freitag, 30. Oktober 1981
Wuppertaler Nachrichten

Beigeordneter Geißler erläutert Nutzung Kleine Höhe

Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Hensmann

„Wenn wir nicht wollen, daß Wuppertaler Industrie-Betriebe abwandern, brauchen wir diese Fläche’, so unterstrich Beigeordneter Dr. Eberhard Geißler in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung Uellendahl Katernberg die Notwendigkeit eines Industriegebietes Kleine Höhe. Zieht man 50 000 Quadratmeter unnutzbare Böschungsfläche ab, bleiben hier am Stadtrand zu Neviges 250 000 Quadratmeter übrig.

Bereits vor Beginn der Aufschließung dieses Gebietes haben sechs Wuppertaler Firmen einen Bedarf von 280000 Quadratmetern angemeldet.

Dr. Geißler betonte in Seinem Plädoyer für das Industriegebiet Kleine Höhe: „In Wuppertal stehen uns in den nächsten zwei Jahren 339 000 Quadratmeter an Gewerbe- und Industrieflächen zur Verfügung. Bisher vergeben wir jährlich etwa 100 000 Quadratmeter. Unser Reservoir reicht also nur noch für gut drei Jahre.“

Geißler nannte die Bezirke Wuppertals, die noch kurzfristig Reserven bergen. Da sind das Nächstebrecker Industrie-Gebiet mit 13 000 Quadratmetern Gewerbeund Industriefläche, Blombach-Nord mit 109 000 Quadratmetern ebenfalls Gewerbe- und Industriefläche, die Gruitener Straße mit 30 000 industriell und 38 000 gewerblich nutzbaren Quadratmetern, der Giebel mit 28 000 Quadratmetern Inustriefläche und der Schlachthof mit 37 800 gewerblichen Quadratmetern. An der Gruitener Straße und Am Giebel stehen weitere Flächen mittelfristig zur Verfügung.

Nach einer Bürgeranhörung im September, die in zu knappem zeitlichem Rahmen stattgefunden hatte, Soll demnächst eine Zweite folgen, da viele Bürgerfragen noch zu klären sind. So unterstrich vor den Bezirksvertretern ein in der Nähe des zukünftigen Industriegbietes wohnender Bürger seine Auffassung, die Nevigeser Straße sei in ihrer heutigen Breite nicht in der Lage, den bei den Bauarbeiten entstehenden und den dann nach Fertigstellung anrollenden Verkehr ohne Komplikationen aufzunehmen.

Dr. Geißler betonte seine gegenteilige Meinung: „Es ist kein Ausbau erforderlich‘. Die Bezirksvetreter werden sich bei einem Ortstermin die Lage genau ansehen.

Zur Aufschließung und Herrichtung des Gebietes Kleine Höhe ist beim Regierungspräsidenten bereits ein Antrag zur Anfinanzierung gestellt.

1968: Bekanntgabe der Bebauungsabsichten der Kleinen Höhe

WZ Stadtausgabe Freitag, 30. Oktober 1981
Velbert-Neviges

Ausschuß fand keine Lösung für Industrieansiedlung Kleine Höhe

CDU stimmte gestern nachmittag zweitem Bauabschnitt der Fußgängerzone zu

Von unserem Redaktionsmitglied Virginia Steinmetz

Velbert-Neviges. Mit der Bemerkung, daß man sich den zweiten Bauabschnitt der Fußgänerzone zwischen Wilhelmstraße und Bücherei sparen könnte und auch kein Parkhaus an den Lohbachhäusern erforderlich sei, schockierte gestern abend Johannes Obermüller (CDU) die Mitglieder des Bezirksausschusses Neviges. Auch Kämmerer Karl-Dieter Schmidt-Sicking zeigte sich von dieser Äußerung sehr überrascht. Die Verwaltung hatte dem Ausschuß eine Beschlußfassung über den zweiten Bauabschnitt vorgelegt und war sicher der Ansicht, daß dieser Punkt ohne Diskussion behandelt würde, denn schließlich setzte sich gerade der Bezirksausschuß immer wieder für eine schnelle Verwirklichung einer Fußgängerzone in Neviges ein. Nach Sitzungsunterbrechung erklärte Johannes Obermüller dann aber, daß man mit dem Bau des zweiten Bauabschnittes, integriert mit Parkhaus und Brücke Richtung Hasenkampsberg, einverstanden sei.

Der Kämmerer schmunzelte nur, denn ihm wäre die Einstellung des weiteren Ausbaus der Fußgängerzone und des Parkhaus nicht ungelegen gekommen bei der finanziellen Situation der Stadt.

Daß jetzt zu Wuppertal gehörende Gebiet Kleine Höhe soll wie bekannt Industriegebiet werden. Die Stadt Neviges hatte schon 1968 bekanntgegeben, daß sie dieses einst landwirtschaftliche Gebiet freigeben wollte für die Bebauung durch die Firma Glanzstoff. Heftige Dispute gab es gestern zwischen CDU und SPD, als es um die Frage ging, wer die Industrieansiedlung in diesem Gebiet „verschuldet“ habe. Neviges stand seinerzeit unter CDU-Regierung, und auch Velbert wird von der Union im Rat geführt. Dort waren auch Beschlüsse hinsichtlich der Wünsche der Wuppertaler gefällt worden. Jetzt aber, da die Bürger protestieren wollen, Will keiner den schwarzen Peter haben, und jeder sagt zu, hier helfen zu wollen. Doch der Zug scheint schon abgefahren, denn Wuppertal hat feste Pläne für dieses Gebiet, wenngleich auch nicht feststeht, welche Betriebe angesiedelt werden. Wie die Verwaltung mitteilte, bleibt aber zwischen der geplanten Ansiedlung und der Bebauung in Neviges ein Zwischenraum von 600 Meter Luftlinie. Die interessierten Bürger gingen aber gestern nach der Sitzung ohne konkrete Vorschläge, wie sie sich gegen die Industrie vor ihrer Haustüre wehren können, nach Hause. Man legte ihnen Einsprüche nahe, erläuterte aber nicht, an wen man sich nun konkret zu wenden habe. Die SPD in Neviges hat bereits Kontakte zu den Wuppertaler Sozialdemokraten geknüpft, um sich über die vorliegenden Pläne aus erster Hand zu informieren.

Golfspiele bald im Zarten Seifenduft?

Stadtausgabе Montag 26. Oktober 1981
Velbert-Neviges

Kleine Höhe gestern im SPD-Frühschoppen

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Hennig

Velbert-Neviges. Dem immer wieder in verschiedenen Variationen kursierenden Gerücht, das Gebiet Kleine Höhe würde in absehbarer Zeit um die Niederlassung der Wuppertaler Seifenfabrik Luhns bereichert, will die SPD-Fraktion des Bezirksasschuß Neviges auf den Grund gehen. „In der nächsten Sitzung werden wir eine Anfrage an die Stadtverwaltung richten, welche konkreten Vorstellungen zum Gebiet Obensiebeneick/Kleine Höhe bei der Wuppertaler Stadtverwaltung existieren“, so Manfred Duncker, SPD-Rats- und Kreistagsmitglied, gestern beim SPD-Frühschoppen Reichsadler.

Die Tatsache, daß das Gelände für gewerbliche Nutzung in Frage kommt, ist seit 1969 kein Geheimnis mehr. Der ehemalige Nevigeser Rat hatte der landwirtschaftlichen Nutzung durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes ein Ende gesetzt. Zu einer Bebauung war es allerdings nicht gekommen. Andern sollte sich dies erst nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975, als Neviges, Velbert und Langenberg zu einer neuen Stadt wurden, und Obensiebeneick/Kleine Höhe Wuppertal zugesprochen wurde. Interesse an der „grünen Wiese“ hatte Glanzstoff für einen Verwaltungstrakt. Dunkker: „Auch dieses Vorhaben scheiterte, so daß eine Bebauung vorerst nicht mehr zur Diskussion stand‘. Seit einiger Zeit munkeln Nevigeser und Ratsmitglieder von Seifengestank und Landschaftszerstörung durch die Umsiedlung der Seifenfabrik Luhns (Ober-Barmen). „Sollte Luhns in unmittelbarer Nähe unserer Wohnsiedlungen seine Pforten öffnen, müssen wir betroffenen Bürger uns mit allen Mitteln dagegen zur Wehr setzen“. Dem Protest Nachdruck verleihen will Duncker mit Hilfe der Bezirksvertretung Wuppertal Uellendahl/Katernberg. Denn nicht nur Nevigeser würden von dem Vorhaben in Mitleidenschaft gezogen; die Elberfelder am Rande der ehemaligen Stadtgrenze Neviges wären ebenfalls nicht sehr begeistert. Der Nevigeser Schachzug, die Elberfelder Kollegen zum Mitkämpfer zu machen, könnte noch weitere Unterstützung durch den hinter dem Gebiet Obensiebeneick/Kleine Höhe gelegenen Golfplatz Bergisch Land finden, denn Golfspielen im zarten Seifengeruch würde auch dort die Freude am Sport erheblich mindern.

Velbert-Neviges Industrieplanung an der Stadtgrenze beunruhigt

WZ Stadtausgabe Montag, 19. Oktober 1981

Betroffene Bürger wollen sich jetzt zur Wehr setzen

Velbert-Neviges (lf). Zu einem Gespräch über die drohende Ansiedlung von Industrie in unmittelbarer Nähe der Nevigeser Grenze hatte die CDU-Neviges die Betroffenen in die Gaststätte Asbruch an der Nevigeser Straße eingeladen. Bürgermeister Heinz Schemken, Bezirksausschußvorsitzender Sckär und Ratsmitglied Martin Sträßer standen bei einem Frühschoppen den Bürgern zu einem Gespräch zur Verfügung.

Bürgermeister Schemken hat inzwischen in einem Schreiben an den Regierungspräsidenten die Frage aufgeworfen, wie sich die Pläne der Stadt Wuppertal, an der südlichen Grenze Velberts ein Industriegebiet zu errichten, mit dem Gebietsentwicklungsplan vertragen, in dem dieses Gebiet als Entlastungsgebiet für die angrenzenden Ballungsgebiete, als Erholungs- und Freifläche und auch als Kaltluftschneise ausgewiesen ist.

Schemken weist in seinem Schreiben darauf hin, daß dieses Industriegebiet in unmittelbarer Nähe der gerade erst entstandenen und auch noch im Ausbau befindlichen Wohngebiete „Siepen“, „Lüpkesberg“, „Pöthen“ und „Teller-Hof“ liegt, wo sich in erster Linie Menschen angesiedelt haben, die dem Lärm und der Luftverschmutzung der benachbarten Großstädte entgehen wollten. Die in der Versammlung anwesenden alteingesessenen Nevigeser, allen voran der frühere Bezirksausschusvorsitzende Müller, wehrten sich gegen den Verdacht, daß die Schuld für diese Entwicklung noch bei dem Rat der ehemaligen Stadt Neviges zu suchen sei. Zwar habe man das Gelände damals an die Firma Glanzstoff verkauft, doch mit der ausdrücklichen Vereinbarung, daß hier ein neues Verwaltungszentrum und Versuchslabors entstehen sollten. Für den Fall, daß die Firma Glanzstoff das Gelände nicht selbst nutzen werde, sei ein ausdrückliches Rückkaufsrecht vereinbart worden.

Velbert-Neviges, Ratsmitglied Martin Sträßer Bezirksausschußvorsitzender Ernst-Adolf Sckär und Bürgermeister Heinz Schemken (von links nach rechts) standen den betroffenen Bürgern zu einem Gespräch zur Verfügung. Rund 20 Diskussionsteilnehmer hatten sich in der Gaststätte „Am Asbruch“ eingefunden, um über die drohende Industrie-Ansiedlung auf benachbartern Wuppertaler Gebiet zu beraten.

Foto: Otmar Grimm

Durch die Gebietsreform sind solche Vereinbarungen natürlich hinfällig geworden. Unter den Veranstaltungsbesuchern waren auch solche, die damals Land an Glanzstoff verkauft haben. Insgesamt habe die Firma das Land für vier Millionen gekauft und später habe sie es dann an die Stadt Wuppertal für zwölf Millionen weiterverkauft, hieß es. Diese Form von Grundstücksspekulation stößt bei den früheren Eignern natürlich auch auf Kritik. „Ich hätte das Geld damals nicht unbedingt gebraucht und heute würde mir ein Verkauf das vielfache bringen“, ärgerte sich einer der Landwirte, der damals den Plänen der Stadt Neviges nicht entgegenstehen wollte.

Inzwischen soll seitens der Regierung genehmigt worden sein, das Gebiet zum Industriegelände zu machen. Dazu meinte Bürgermeister Schemken, daß die Gebietsreform ja auch dazu gedacht sei, die Interessen der angrenzenden Gebiete gegeneinander abzuwägen und es sei sicherlich nicht gemeint, daß hier einer etwas plane, ohne Rücksicht auf den Nachbarn zu nehmen.

Die Betroffenen wollen nun eine Bürgerinitiative begründen, die sich dafür einsetzen soll, daß das Gelände höchstens als Gewerbegebiet, am besten aber weiterhin als Erholungsgebiet genutzt wird. Noch bestehen ja keine Bebauungspläne für das Gebiet, – so daß man hofft hier noch etwas erreichen zu können. Jedenfalls betonen die Betroffenen, daß sie von einer derartigen Planung nichts gewußt haben, als sie sich hier ansiedelten und daß sie sich hier regelrecht betrogen fühlen.

Wuppertals „stinkende” Industrie Richtung Neviges?

WZ Stadtausgabе Samstag, 3. Oktober 1981
Velbert-Neviges

So sieht der grobe Flächen-Plan aus, den Wuppertal der geplanten Industrieansiedlung im Gebiet Kleine Höhe zugrundelegt. Das Vorgesehene Gebiet erstreckt sich im Norden bis zur Freilichtbühne am Schanzenweg, im Osten bis Steingeshof im Süd-Osten bis Lindgen und weiter bis zur Einmündung Asbrucher-/Nevigeser Straße in Richtung Neviges. Allerdings weitab von der Bahnlinie, die als Grenze zwischen den beiden Städten anzusehen ist.

Pläne stammen noch aus der alten Stadt Neviges – Rechtskräftiger Bebauungsplan

Von unserem Redaktionsmitglied Virginia Steinmetz den Pöthen, vom Asbruch einschließlich der Neubauten in

Velbert-Neviges. „Die Wuppertaler setzen uns jetzt ihre „stinkende’ Schwerindustrie jetzt einfach vor

Bevor man sich eingehend mit den Plänen befaßt hatte, schusterte man Wuppertal den „Schwarzen Peter” zu. Doch ganz so ist dem nun Wirklich nicht. Haben in Neviges viele Alteingessene auch für die große Nachbarstadt nicht sehr viel übrig, weil diese die „grüne Stube“ nach der Neugliederung einheimste, so muß man doch bedenken, daß die Pläne zur Bebauung Kleine Höhe von Alt-Neviges ausgingen. Seinerzeit war das Gelände an die Firma Glanzstoff verkauft worden, weil dort ein Verwaltungstrakt entstehen sollte. Dieser Plan platzte allerdings wie eine Seifenblase, doch Wuppertal erwarb das Gebiet von der großen Firma, und begab sich an die weitere Planung. Die sogenannten Träger öffentlicher Belange wurden gehört, und man plante auch keineswegs hinter verschlossenen Türen, sondern in Neviges, bzw. Velbert wußte man, daß dort etwas geschehen konnte, was heute die Bürger entsetzt. Aufgeweckt wurden viele Nevigeser durch eine Bürgeranhörung der Wuppertaler Ende September. Dort Wurden die Pläne erörtert und für viele Neubürger in Neviges, die sich in den vorhergenannten Gebieten schmucke Häuschen erworben hatten, war dies ein Schock in der Abendstunde. Keiner hatte geahnt, was dort geplant war, was auf ihn zukommen konnte. Man spricht von Schwerindustrie, von einer Seifenfarbik, von Bandwirkereien und anderen „stinkenden“ Betrieben.

Von Schwerindustrie, also eisenverarbeitenden Betrieben, so hieß es in Wuppertal, könne nicht die Rede sein. Das Thema. Seifenfabrik wurde weder bestätigt noch dementiert. Fest steht aber auch, daß Wuppertal nicht gleich an die Ortsgrenze zu Neviges geht mit der Bebauung im ersten Planungsabschnitt, sondern nördlich des Schanzenweges, vorbei an Herrnasbruch, bis Richtung Freilichtbühne am Schanzenweg, Jungmannshof, Am Lindchen, Römershäuschen bis Einmündung Kleine Höhe/Einfahrt nach ¥ges Pläne vorbereitet at. Es liegt hierfür ein rechtkräftiger Bebauungsplan vor, und es scheint, daß die Neu-Nevigeser zu spät auf dieses Gebiet aufmerksam wurden. Verhindern werden Sie die Pläne vermutlich nicht mehr, denn der Zug ist abgefahren. Was man tun kann ist, an die Stadt Wuppertal appellieren, hier nicht mit Schweren Geschützen der Industrie aufzuwarten, um die schöne Wohnlage auf dem Nevigeser Gebiet nicht zu gefährden. Der Rest der „grünen Stube“ von Neviges, der in Velbert bebaut wurde, Würde Sicherlich an Reiz und Wert verlieren, und vermutlich werden auch jetzt schon einige Bürger Rückzieher machen, die sich für Häuser nahe der Wuppertaler Stadtgrenze entschieden haben. Einige Nevigeser kündeten bereits die Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Wuppertaler Pläne an.

Industriegebiet Kleine Höhe bei den Bürgern umstritten

WZ Freitag, 25. September 1981
Wuppertaler Nachrichten

Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg tagte vor Ort

Von unserem Redaktionsmitglied Frank Hänschen

Am 30. März dieses Jahres hat der Stadtrat den Aufstellungsbeschluß für ein Industriegebiet an der Grenze zu Neviges gefällt. Es handelt sich um eine nutzbare Fläche von knapp 25 Hektar auf einem Hügel, der sich „Kleine Höhe“ nennt.

Anhörung

Vor der regulären Sitzung der Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg war jetzt im Kinderheim am Jagdhaus eine Bürgeranhörung anberaumt. Wie zu erwarten, hatte der Planungsamtsvertreter Spiecker keinen leichten Stand. Während sich die Fragen, weshalb ein Industriegebiet ausgerechnet hier angesiedelt werden solle, noch mit dem Hinweis auf den eklatanten Mangel an derartigen Flächen in Wuppertal beantworten ließen, konnte – und mußte – der Verwaltungsmann nur noch schweigen, als die Anlieger der Stadt und dem Vorbesitzer des Grundstücks, der Firma Glanzstoff, schlichtweg Spekulation vorwarfen. Glanzstoff habe das Grundstück an der Nevigeser Straße einst den Bauern abgekauft, um dort Gebäude für Verwaltung und Forschung zu errichten, wußten die Bürger. „Gewerbegebiet“ hieß das StichWort. Nachdem diese Pläne fallen gelassen wurden, kaufte im vergangenen Jahr die Stadt Wuppertal das Gebiet – abgeblich zu einem erheblich höheren Preis. Nun soll es mit beträchtlichem Kostenaufwand zu einem Industriegebiet hergerichtet werden, bezugsfertig ab 1983. Eine noch nicht bekannte Zahl von Betrieben, die alle aus Wuppertal stammen, wird hier eine neue Heimat finden.

Nur Gewerbe?

Mit den Neubauten auf der Kleinen Höhe hatte sich die Mehrzahl der versammelten Bürger wohl schon abgefunden, doch gegen den Begriff „Industriegebiet“ wehrten sie sich kräftig. Auf der anschliessenden Sitzung kündigten einige Bezirksvertreter an, sich eventuell dafür einzusetzen, daß es bei einem „Gewerbegebieto bleibe. Wie sieht die Planung aus? Die Erschließung des Gebietes ist über eine neue Stichstraße von der Nevigeser Straße geplant. Die charakteristische Baumgruppe auf der Kuppe und der Asbrucher Bach sol– len möglichst erhalten bleiben. Zu den nächsten Wohnungen bleibt ein MindestabStand von 500 Metern. Der AuSSchuß für Wirtschaftsförderung hat dem Industriegebiet bereits zugestimmt. Die Ergebnisse der Bürgeranhörung werden in das weitere Bauleitplanverfahren einfließen, ein Protokoll über die Veranstaltung geht den Stadtverordneten zu.

 

Wer will schon Industrie als Nachbarn haben?

Was haben ein Busbahnhof, ein Industriegebiet und ein Behindertenheim gemeinsam? Ganz einfach: Keiner will so etwas in Seiner Nachbarschaft haben. Auf dieser Linie lagen auch die Bürger in der Nachbarschaft der „Kleinen Höhe“, denen der Ausblick auf grüne Hügel in Zwei Jahren durch Fabrikhallen Verbaut Werden soll.
Ihr Unmut ist irgendwie schon Verständlich, ebenso ihre Taubheit, Wenn es heißt, in Wuppertal würden Industrieflächen nun einmal dringend gebraucht. Aus eben diesen Gründen sollten Sie wenigstens das Gefühl haben, ausreichend Zu Wort Zu kommen. Im Fall „Kleine Höhe“ War die Anhörung der Bezirks Vertretung Vorgeschaltet. Eine Stunde Zeit war eingeplant. Durch Verspäteten Beginn und häufige Wiederholungen – die Bürger legen eben nicht Solch rednerisches Wohlverhalten an den Tag Wie die Parlamentarier – blieb effektiv Vielleicht eine halbe Stunde. Das ist. Zu wenig. Die Erregung der Bürger wird nicht gelindert, indem man Sie abschneidet. Die Zeit der öffentlichen Anhörungen muß nach hinten Variabel Sein. Besonders gelackmeiert fühlen die Bürger sich dann, Wenn Sie noch in der anschließenden Sitzung der Bezirksvertretung ausharren, Weil hier derselbe Punkt noch einmal zur Diskussion steht, und erleben müssen, daß Ohne Beschlußfassung vertagt wird. Auf ein Neues! F.H.