Wegen Klimaschutz:Bezirksvertreter lehnen Baupläne ab

Direkter Nachbar: Velbert-Rosenhügel. Auf Feldern am Asbruch könnten mehr als 1000 neue Wohneinheiten entstehen. Betroffen wären auch Biotope. Foto: Dirk Lotze

Wuppertal. Bezirksvertreterinnen und Bezirksvertreter im Wuppertaler Norden lehnen ein Verfahren ab, mit dem die Verwaltung stadtweit mehr als 125 Hektar freie Flächen für weitere Wohnviertel festlegen will. Die Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg stimmte einstimmig gegen den Vorschlag der Planer. Gründe sind Klima- und Umweltschutz. Experten der Verwaltung sollen eine Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger anbieten – möglichst noch im September.

Im Stadtbezirk geht es um hoch umstrittene Grundstücke: Am Asbruch nahe Velbert-Rosenhügel könnten Investoren auf mittlere Sicht 26 Hektar bebauen – mit mehr als 1000 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern. Dazu kommen die ebenfalls umkämpfte Freifläche auf der Kleinen Höhe, auf der die Stadt Baurecht für eine forensisch-psychiatrische Landesklinik schaffen will. Weitere Areale stehen auf der Liste. In einer früheren Abstimmung hatte die Bezirksvertretung Vohwinkel ebenfalls Planungen abgelehnt. Ronsdorf war weniger betroffen, veränderte aber den Verwaltungsvorschlag. Originalartikel Die östlichen Stadtteile Barmen, Heckinghausen, Wichlinghausen und Beyenburg sind durch die Planungen insgesamt weniger belastet als der Westen. Stadtweit ist derzeit nur eine einzige Fläche unumstritten: Das brach liegende Grundstück am Steinbecker Bahnhof in Elberfeld, unterhalb der Viehhofstraße.

Zwei Länder erfassen Hitze in Statistik der Todesursachen

In der Sitzung der Bezirksvertretung hatte vor der Abstimmung die städtische Klimaschutzbeauftrage Ute Bücker in einem Bericht ausgeführt: Falls die Stadt mehr Flächen versiegelt, werden mehr aufwändige Maßnahmen gegen Erwärmung nötig – um die Gesundheit von Kindern, Erkrankten, Seniorinnen und Senioren zu schützen. Rheinland-Pfalz und Berlin hätten begonnen, Hitze als mögliche Todesursache statistisch zu erfassen. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion in Uellendahl-Katernberg, Yannick Bartsch, stellte klar: „Nach dem Vortrag zur Hitze in der Stadt kommt mir das Verfahren für die Flächenmeldung vor, wie aus der Zeit gefallen.“

Bartsch fügte hinzu, die Bezirksvertretung habe auch die Teilsanierung des Spielplatzes am Eckbusch auf der Tagesordnung und kommentierte: „Der würde bei dieser Planung einfach aufgefressen.“ Am Asbruch und an der Kleinen Höhe laufe es darauf hinaus, dass Wuppertal mit Velbert verwachse.

Cornelia Krieger (Grüne) fragte, wo in den Planungen die Hitzeauswirkungen berücksichtigt seien: „Hier sind sehr viele Flächen, an denen Wasser eine Rolle spielt. Und das ist besonders wertvoll für Kühlung.“ Über das Siedlungsgebiet am Asbruch sagte sie: „Uns ist versprochen worden, dass da nicht gebaut wird. Das wäre eine komplette Zersiedelung. Wir lehnen das ab.“

Mucke (SPD): Innenentwicklung soll Vorrang bekommen

Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) verwies auf die Entstehung des Prozesses für die Flächenmeldung: Der Rat habe die Verwaltung beauftragt, mindestens 110 Hektar zusätzliche Wohnbauflächen auszuweisen. Zwei Büros hätten Aufträge erhalten und befassten sich mit freien Flächen im Außenbereich und Verdichtungsmöglichkeiten im Innenbereich. Zusätzlich habe die Bezirksregierung Grundstücke in der Nähe von Bahnanschlüssen geprüft. Mucke erläuterte seine Sicht: „Innenentwicklung ist ganz wichtig, weil da schon versiegelt ist. Das sollte Vorrang haben, vor der Inanspruchnahme von neuen Flächen. Freie Flächen sind nur einmal da. Es geht um Versiegelung und um Flächenfraß.“ Er fügte hinzu: Das Verfahren sei lang und bringe viele Prüfungen.

Laut Mucke werde das Vorhaben am Asbruch nicht standhalten können, wegen der Umweltaspekte. Die Verwaltung indes vertritt eine andere Sicht: 125 Hektar neue Flächen sieht die Bezirksregierung im Hinblick auf Wuppertal für nötig an. Mehr als 150 Hektar weist eines der Planungsbüros aus. Am Asbruch erwartet auch die Verwaltung erhebliche Umweltfolgen – etwa für drei gesetzlich geschützte Biotope, für Wald und sogar für die Erwärmung des bestehenden Nachbar-Stadtteils Rosenhügel. Das müsse Wuppertal aber planerisch in Kauf nehmen. Für diese Bewertung soll am 23. September 2019 der Rat stimmen.

Info-Abend womöglich vor der Entscheidung im Rat

Den Informationsabend für Bürgerinnen und Bürger – womöglich noch vor der Ratssitzung – schlug Angelika Behr von der Bürgerinitiative Kleine Höhe vor. Die Gruppe war im Zuschauerraum stark vertreten. Behr sagte: „Die Unterlagen der Verwaltung sind umfangreich und nicht verständlich. Der Bürger hat aber bis Ende September noch die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Also muss man die Leute informieren.“ Und: „Asbruch gehört selbstverständlich zur Kleinen Höhe. Dort darf nicht gebaut werden. Wir brauchen nicht einen Springbrunnen zur Abkühlung hier und da. Wir brauchen den Entschluss, dass solche Flächen nicht bebaut werden.“

Die Bezirksvertretungen beraten weiter: Am Dienstag (10. September 2019) für die Stadtbezirke Langerfeld-Beyenburg und Barmen, Mittwoch (11. September 2019) für Elberfeld und Elberfeld-West. Am Donnerstag (12. September 2019) liegt das Thema dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen vor. In der folgenden Woche tagt der Hauptausschuss (18. September 2019). Der Rat entscheidet am 23. September 2019.

Quelle: https://mailchi.mp/b1c646958cf7/2019-09-03-platanen-doeppersberg-kommission-1520769

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